Begleiten statt Verbieten: Ein starkes Duo für digitale Medienkompetenz

Wie wachsen unsere Kinder in einer Welt auf, in der das Smartphone ständiger Begleiter ist?
Am 9. Juni stand unsere Schule ganz im Zeichen dieser Frage. Während sich die Eltern abends in der Aula intensiv mit zeitgemäßer Medienerziehung auseinandersetzten, durchlaufen die sechsten Klassen derzeit parallel ein interaktives Präventionsprojekt, um sich für die Herausforderungen der digitalen Welt zu wappnen. „Welche Medien hatten wir Eltern eigentlich früher?“, lautete die Einstiegsfrage beim gut besuchten Elternabend in der Schulaula. Die Antworten sorgten für ein nostalgisches Schmunzeln: Game Boy, Tamagotchi und das klassische Festnetztelefon prägten die Jugend der heutigen Elterngeneration.

Durch den Abend, der von der Landeselternschaft organisiert wurde, führten Frau Bijelic und Annika, die als Medienscout unserer Schule direkte Einblicke in den Schüleralltag geben konnte. Der Kontrast zur heutigen Lebensrealität der Kinder könnte kaum größer sein. Das Smartphone ist ein unfassbar mächtiges Gerät geworden – es ist Kamera, Videorecorder, Musikabspielgerät, tragbare Spielekonsole und ständiges Kommunikationsmittel in einem. Zwar sind sich viele Eltern einig, dass technische Filter und festgelegte Bildschirmzeiten wichtige Instrumente sind, doch Frau Bijelic betonte deutlich, dass die Kinder trotzdem unweigerlich mit Problemen in Kontakt kommen. Ob in WhatsApp-Gruppen, auf der Busfahrt oder im Sportverein – ständige Erreichbarkeit und Konflikte in Chats sind an der Tagesordnung. Besonders lebhaft wurde der Abend, als sich die Eltern über ihre eigenen Erfahrungen mit der WhatsApp-Kommunikation austauschten. Frau Bijelic interagierte gezielt mit dem Publikum und warf die Frage in den Raum, warum gerade in digitalen Chats so oft problematische Inhalte geteilt werden. Die einfache, aber ernüchternde Antwort lautete: Weil es geht. Viele Sachen gehen technisch einfach und werden deswegen unbedarft ausprobiert. Daraus leitete Frau Bijelic den wichtigsten Rat des Abends ab: „Begleiten statt verbieten!“ Kinder werden früher oder später ohnehin mit schwierigen Inhalten im Netz in Berührung kommen. Ein striktes Verbot verhindert diese Erfahrungen nicht, kappt aber im schlimmsten Fall den vertrauensvollen Austausch mit den Eltern. Genau hier, bei der Begleitung und Aufklärung, setzt das Präventionsprojekt „Gemeinsam digital sicher“ an, das aktuell für die sechsten Klassen durchgeführt wird. Das Bildungsprojekt hat das Ziel, die digitalen Kompetenzen der Jugendlichen zu schulen. Das Team verbringt dafür einen kompletten Schultag, von der ersten bis zur sechsten Stunde, mit den Schülerinnen und Schülern. Um eine besonders offene und vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre zu schaffen, finden die Workshops in der Regel bewusst ohne anwesende Lehrkräfte statt. Erfahrungsgemäß äußern sich die Jugendlichen so freier, sprechen sensible Themen an und bringen persönliche Erfahrungen ungehemmter ein. Der Projekttag ist interaktiv und abwechslungsreich gestaltet. Nach einer ausführlichen Kennenlernrunde wird die digitale Lebenswelt der Klasse durch eine anonyme Umfrage zu genutzten Apps und Bildschirmzeiten beleuchtet, was im Klassenvergleich bei vielen für echte „Aha-Momente“ sorgt. Auch Gruppendynamiken werden bei kooperativen Übungen sichtbar gemacht, etwa beim „Stuhl-Zombie-Spiel“. Um das Thema Cybermobbing greifbar zu machen, verfassen die Kinder in einem sozialen Experiment typische Nachrichten in einem simulierten Klassenchat, die anschließend von der adressierten Person real vor der Gruppe laut vorgelesen werden. Das schafft ein tiefes Verständnis dafür, warum digitale Konflikte durch die fehlenden nonverbalen Rückmeldungen und die Distanz so schnell eskalieren. Zudem lernen die Kinder, dass das Melden von Cybermobbing kein „Petzen“ ist, sondern verantwortungsvolles Handeln darstellt. Neben Mobbing geht es auch um sichere Passwörter, den Wert persönlicher Daten in scheinbar kostenlosen sozialen Netzwerken und den kritischen Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Das Leitmotiv des Workshops passt damit perfekt zu den Ratschlägen des Elternabends. Die Vermittlung von Reflexion, Verständnis und Kompetenz steht im Vordergrund. Durch die enge Verzahnung des Elternabends und des Schüler:innenprojekts ziehen Eltern, Schule und externe Expert:innen an einem Strang, um die Kinder nicht allein in den unendlichen Weiten des Internets stehen zu lassen, sondern sie zu starken, kritischen und selbstbewussten digitalen Bürger:innen auszubilden.

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